Trachten begeistern. Trachten faszinieren. Trachten sind cool, sagen unsere Jungen. Was wäre Innerrhoden ohne seine Trachten! Sowohl die Festtagstracht der Frauen mit ihrer markanten Flügelhaube, dem reichen Trachtenschmuck und dem einzigartigen, handgestickten Kragen als auch die Tracht der Männer mit ihrem messingbeschlagenen Hosenträger und der augenfälligen Farbkombination in Rot, Gelb, Weiss und Schwarz gehören zu den Aushängeschildern der Schweizer Trachten. Gross ist die Vielfalt.
Heute werden im Kanton Appenzell I.Rh. mehr als ein halbes Dutzend verschiedene Frauen- und Männertrachten getragen – hergestellt und gepflegt von unzähligen kunstfertigen Frauenhänden. Hinzu kommen die verschiedenen Kindertrachten für Buben und Mädchen.
Dort, wo der Kanton feiert, dort, wo er ausserhalb sichtbar wird und wahrgenommen werden will, sind unsere Trachten dabei. Trachten tragen im übertragenen Sinnunser Land und seine besten Produkte zu Gästen und Kundinnen in aller Welt.
Dass unsere Trachten derart präsent und im besten Sinne werbewirksam sind, haben wir unseren zahllosen überzeugten und leidenschaftlichen Trachtenträgerinnen und ‑trägern zu verdanken. Eine Tracht auf dem Estrich nützt wenig. Die nächste Generation freut sich auf deren Weitergabe. Trachten wollen getragen und gepflegt sein: mit Würde, Freude und Dankbarkeit, mit Achtsamkeitund Leidenschaft, aus Überzeugung und gerne mit eine Prise Humor und Stolz, immer aber mit guter Laune. Griesgrämige Menschen sollten keine Trachten tragen.
Thomas Biasotto hat sie fotografiert. Nein, nicht die Trachten, sondern die Menschen, die sie tragen – mit grosser Meisterschaft und noch grösserer Empathie. Er hat sie nicht an der Fronleichnamsprozession, beim Öberefahre, an der Stobedeoder an der Vechschau abgelichtet, sondern in seinem Studio – perfekt ausgeleuchtet, inszeniert, gestellt. Ungeschminkt stehen sie da. Im Mittelpunkt die Persönlichkeit der Trachtenträgerin und des Trachtenträgers mit ihrer bzw. seiner einmaligen Ausstrahlung. Trachtenleute, die wir alle kennen und mögen: IT-Spezialisten und Lehrpersonen, Landwirte und Rentnerinnen, Musikerinnen und Schulkinder. Und nebenbei tragen sie ihr schönstes Kleid – mit Würde und Stolz. Die Tracht wird so zur wichtigsten Nebensache, die den Blick freigibt auf derenkunstvolle und feingliedrige Details, auf die Farbenpracht und die Nuancen. Wer die lebendigen und eindringlichen Bilder von Thomas Biasotto so auf sich wirken lässt, spürt die Kraft der Tracht. Sie ist mehr als ein schönes Kleid. Sie ist Teil unseres Landes. Sie ist Heimat. Sie ist – auch dann, wenn wir sie selbst nicht tragen – e Stock vo öös.
Roland Inauen, a. Landammann